John William Polidori: „Der Vampir“

Aubrey ist jung, unerfahren und adlig. Er hat unrealistische Ideale, wenn es um andere Menschen geht, und erlebt deshalb in Gesellschaft zunächst eine Enttäuschung. Doch dann entdeckt er Lord Ruthven: einen bleichen Herrn, der durch alle Personen nur hindurch zu sehen scheint. Aubrey ist fasziniert und stimmt begeistert zu, als Lord Ruthven ihm vorschlägt, ihre geplanten Auslandsreisen gemeinsam anzutreten …

Bei alten Vampirgeschichten überlege ich gerne, welche Elemente sich über die Zeit hinweg gehalten haben und was diese Geschichte von anderen unterscheidet. Typische Elemente sind das Aussehen des Vampirs, sein „Aufblühen“ nach dem Bluttrinken, seine adlige Abstammung (nicht erforderlich, aber doch ein typisches Element), die Faszination, die er auf andere ausübt, und sein bedenkenloser Umgang mit menschlichen Leben.

In dieser Geschichte verfolgt der Vampir Aubrey jedoch regelrecht und sieht ihn weniger als Beute denn als Spielball des Leids. Darüber hinaus fehlen ihm die Fangzähne und er nutzt stattdessen einen Dolch, um an das Blut seiner Opfer zu gelangen.

Den Erzählstil mochte ich nicht besonders, aber er ist in gewisser Weise auch der Zeit geschuldet. Die Erzählstimme ist eher trocken und erzählt sehr viel, anstatt dem Leser zu zeigen, was geschieht (und den Leser dadurch stärker in die Geschichte zu ziehen). Die Handlung hat mir allerdings an sich gut gefallen, da sie einerseits Altbewährtes einsetzt, das schon zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Neuheiten war, und andererseits vom üblichen Schema etwas abweicht.

„Der Vampir“ auf Vorleser.net

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