Musikalischer Mittwoch: „Mondscheinsonate“ von Ludwig van Beethoven

Die Sonate wird häufig mit „Im Mondschein“ betitelt und wurde 1801 von Beethoven komponiert. Sie ist der Gräfin Giulietta Guicciardi gewidmet.

Die Form des Klavierstücks ist bemerkenswert. Die Noten tragen die Anmerkung „Sonata quasi una fantasia“ – übersetzt in etwa „Sonate, so gut wie eine Fantasie“. Mit „Fantasie“ ist hier nicht die persönliche Vorstellungskraft eines Menschen gemeint, sondern eine weitere Musikform. Das ist insofern bemerkenswert, alsdass Musik damals noch sehr strengen Regeln unterlag. Bestimmte Dinge „durfte“ ein Komponist einfach nicht machen. Beethoven war maßgeblich daran beteiligt, diese strengen Regeln nicht nur erweitern und weiterzuentwickeln, sondern auch allmählich aufzubrechen.

Allerdings habe ich die Mondscheinsonate nicht wegen ihrer Form ausgewählt. Da ich selbst Klavier spiele, ist mir das Stück sehr vertraut – es ist eines meiner absoluten Lieblingsstücke. Es war das erste Stück, das ich nach jahrelanger Klavierpause wieder spielen wollte. Es war meine Motivation, mich wieder verstärkt mit Musik zu beschäftigen.

Mich fasziniert an dieser Sonate, dass sie je nach Stimmung des Zuhörers und Interpretation des Musikers unterschiedlich klingen kann. Das Spektrum reicht von besinnlichem Staunen über die Schönheit von Natur und der Nacht bis zu tiefer Depression, die nur Trauer und Hilflosigkeit kennt.

Die Musik beschreibt ein Gewässer im Mondschein. In den Klängen spiegeln sich die sanften Wellenbewegungen wieder, in denen sich das silberne Licht bricht. Zum Schluss donnert es zweimal ganz leise, aus weiter Ferne – ein Gewitter zieht auf.

Für den Interpreten besteht eine der Herausforderungen übrigens darin, die unterschiedlichen Stimmen richtig zu betonen. Im ersten Satz der Mondscheinsonate lassen sich drei Stimmen unterscheiden. Da ein Mensch nur zwei Hände besitzt, spielt die rechte Hand neben der hellen ersten Stimme auch die zweite Stimme – gleichzeitig. Dabei muss der Druck auf die Tasten genau richtig dosiert werden, damit die oberste Stimme klar erklingt. Die zweite Stimme muss hingegen sanfter und leiser sein. Die Hand ist dabei oft sehr weit gespreizt, weil die Töne weit auseinanderliegen – die größte Distanz, die der Pianist mit einer Hand greifen muss, ist eine None. Diese umfasst neun Töne und ist damit etwas größer als eine Oktave.

Ich persönlich stoße bei einer dieser Nonen an einer ganz bestimmten Stelle an meine anatomischen Grenzen, weil meine Finger einfach zu kurz sind bzw. ich die Hand nicht weit genug spreizen kann. Das geht allerdings auch manchen professionellen Konzertpianisten so. (Sehr beruhigend. ;-)) Deshalb spielen einige die zwei Töne, um die es an dieser Stelle geht, nicht gleichzeitig, sondern schnell nacheinander. Einen Ton einfach wegzulassen geht nicht wirklich, weil er dann im Gesamtklang fehlt.

Eine Interpretation der Mondscheinsonate auf Youtube anhören

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