Rezension: „Meister Zacharius“ von Jules Verne

Uhrmachermeister Zacharius gehört zu den besten seines Berufs und gilt als der Uhrmacher schlechthin. Doch seit einiger Zeit ist er zutiefst bedrückt: Eine kunstvolle Uhr nach der anderen bliebt stehen, ohne dass sich eine Ursache findet. Zunehmend geht es auch mit seiner eigenen Gesundheit bergab, die an das Schicksal seiner Uhren gebunden zu sein scheint…

Die Geschichte finde ich für Verne einerseits typisch, andererseits untypisch. Der Fokus liegt wie so oft auf der Technik und die Handlung mäandert eher als vorwärts zu drängen. Gleichzeitig zeigt die Geschichte jedoch eine zunehmende naiv-christliche Prägung, die zu einem schwachen Ende führt. Der Schluss bildet nicht wirklich einen Höhepunkt der Geschichte: Die Spannung baut sich im letzten Teil zunächst wunderbar auf, versandet allerdings im halbherzigen Ende.

(Spoiler voraus!) Die Bedrohung, Meister Zacharius könne neben seinen Uhren und seiner eigenen Gesundheit auch noch seine Tochter verlieren, wird nie richtig aufgegriffen. Gerade diese Bedrohung hätte der Geschichte jedoch mehr Tiefe verleihen können, da sie den Konflikt auf eine ganz neue Stufe hebt. So muss er sich „nur“ zwischen seinem Seelenheil und seinem Handwerk entscheiden. Ganz am Ende ist bereit, dafür auch das Glück seiner Tochter aufs Spiel zu setzen und sie mit dem personifizierten Teufel zu vermählen. Auch diese Androhung taucht bereits vorher in der Geschichte auf, wirkt am Ende jedoch schnell dazwischen gequetscht und verpufft dadurch völlig.

Insgesamt finde ich „Meister Zacharius“ gut und sehr lesenswert, aber die Geschichte hält nicht, was sie in ihrem Verlauf selbst verspricht.

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