Rezension: „Barbara“ von Joseph Roth

„Barbara“ ist eine sehr hoffnungslose Geschichte. Der Stil ist nicht übertrieben dramatisch, wodurch die Trostlosigkeit des Inhalts noch stärker zur Geltung kommt. Die Frau steht ihrem eigenen Leben geradezu unbeteiligt gegenüber, zum Beispiel auf ihrer Hochzeit:

Barbara saß da, als säße sie auf der Hochzeit einer Freundin.

Nur für ihr Kind, das sie als Witwe alleine großziehen muss, scheint sie ihre Gleichgültigkeit abzulegen. Sie arbeitet hart, um ihrem Sohn später auch eine gute Bildung ermöglichen zu können.

Nur einmal verliebt sie sich –

und lässt die Liebe gehen, um sich voll und ganz auf ihren Sohn konzentrieren zu können. Diese beschließt schließlich, Geistlicher zu werden. Doch als seine Mutter auf dem Totenbett liegt, kann er nicht begreifen, was sie ihm von ihrem Leben erzählen möchte. Der Sohn verlässt das Zimmer, kurz bevor Barbara das Bewusstsein verliert und schließlich stirbt.

Inzwischen aber taumelte Barbara unverstanden und verständnislos hinüber in die Ewigkeit.

Für mich klingt in dieser Geschichte sehr stark der Gedanke an, dass wir am Ende alle allein sind. Ob das so zutrifft oder nicht, sei dahingestellt. Mir gefällt allerdings, dass Joseph Roth hier keinen Halt vor einem Unhappy Ending macht. Es gibt keine Wendung, keine Auflösung und nicht einmal ganz am Ende einen Hoffnungsschimmer.

Sterben ist nicht schön. Die meisten wünschen sich, zu Hause und im Kreis ihrer nächsten Angehörigen zu sterben; aber den wenigsten ist das vergönnt. Auch Barbara stirbt letztlich nicht so, wie sie es sich (vielleicht) vorgestellt hatte. Alles, worauf sie im Leben wirklich hingearbeitet hat, ist ihr Sohn. Obwohl er nicht vollkommen gleichgültig wirkt, bleibt ausgerechnet er seiner Mutter doch fern und scheint nichts zu begreifen.

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